Jasminelle, Velafee, Petibelle. Süße Namen für die kleinen Biester. Nur damit ihr mich nicht falsch versteht: Ich bin kein Arzt, ich habe keine Ahnung von den Inhaltsstoffen und wie sie auf euch wirken, da kann ich noch so viel googeln. Aber ich habe Erfahrung zu dem Thema. Diese Erfahrungen mögen nicht auf jeden zutreffen, aber eben auf mich. Ich habe mich auf dieser Basis dazu entschieden, meinem Körper diese tägliche Hormonbombe nicht mehr zuzumuten.

Das war nicht immer so. Als ich mit 16 begonnen habe, die Pille zu nehmen war ich unbedacht und habe mir überhaupt keine Gedanken gemacht, was da wohl drin ist.Jeder nimmt doch die Pille, was soll daran schon schlecht sein? In meinem Freundeskreis war ich so ziemlich die einzige, die absolut gar keine Nebenwirkungen von der Pille hatte. Keine Pickel, keine Gewichtszunahme, keine Stimmungsschwankungen (Das jedenfalls dachte ich). Eine regelmäßige Periode, alles wie es sein sollte.

Ich nahm damals die Aida und war zufrieden. Dann erfuhr ich von der Cerazette, die 28 Tabletten beinhaltet und ohne Pause genommen wird. Reizvoll, so ein Leben ohne Periode, nicht wahr? Also: mein erster Pillenwechsel. Ich kann euch nicht sagen wann das war, irgendwann in der Schulzeit. Viele meiner Freundinnen hatten durch diese Pille mühelos abgenommen, da sie kein Östrogen enthält, sondern nur Gestagen.

Einige Zeit später. Neuer Frauenarzt, neue Pillen:

Ich wechselte zur Desirett, die laut meines Frauenarztes inhaltsidentisch mit der Cerazette ist, aber nur die Hälfte kostete und ich nunmal irgendwann für meine Pille zahlen musste. Bis hierher war auch alles in Ordnung.

3 verschiedene Pillen in 10 Jahren. Dann sah ich Ende 2015 Stern-TV.

Viele viele junge Frauen mit Thrombosegeschichten. Viele tote Frauen durch Thrombosegeschichten. Wer hat es noch gesehen? Es war unglaublich erschütternd. Elisa ist heute im weitesten Sinne dank Stern-TV auf dieser Welt. Meine Pille war auf dieser Liste: Eine Pille der dritten Generation. Meine Pille war auf so einigen Listen! Immer rot hinterlegt. Ich ging zu meinem Arzt, und ließ mir eine andere Pille verschreiben. Die Velafee. Diese Pille kam erst 2012 auf den Markt (Wir sind gerade bei 2015) und stand noch auf keiner Liste. Ich setzte also ab, wartete auf die Periode, um dann die Velafee zu nehmen.

{Nein, ich war nicht absolut naiv, uns war klar, was passieren kann und wir nahmen das „Risiko“ in Kauf. Gottseidank, denn deswegen haben wir unsere Schatzmaus.}

Einige Zeit und eine ganze Schwangerschaft später.

Wie ihr wisst, habe ich eine Bilderbuchschwangerschaft hinter mir und war jeden Tag glücklich und zufrieden. Mir ging es wirklich gut. Gute Laune, keinerlei Beschwerden, keine Stimmungsschwankungen, wie ich sonst schonmal hatte. Und wie ihr auch wisst, habe ich vor allem durch meine Hebamme ein anderes Denken in dieser Zeit gewonnen. Ich achte mehr auf mich, auf uns, auf unsere Ernährung und darauf, was gut und was schlecht ist. Das alleine war aber noch nicht Grund genug, von nun an auf die Pille zu verzichten.

Wie das eben so ist, man kommt nach dem Wochenbett zur Nachuntersuchung und bespricht die weitere Verhütung.

Vor allem durch die Worte: „Ihr Körper ist so auf Schwangerschaft eingestellt, wir müssen irgendwas tun, sonst werden sie erfahrungsgemäß direkt wieder schwanger und ein Jahr Pause braucht der Körper schon.“, habe ich gar nicht weiter darüber nachgedacht. Ich musste durch das Stillen wieder die Desirett nehmen, da in der Zeit eine östrogenhaltige Pille nicht in Frage kommt. Ich dachte auch „Ok, immerhin kein {neuer} Hormoncocktail, die kennt mein Körper ja schon und einen Pillenwechsel zu einer weniger gefährlichen Pille könnten wir ja nach dem abstillen besprechen.

Diese Pille schoss allerdings über ihre Verhütungsrolle hinaus: Ich hatte 3 Monate lang Blutungen. Ich wusste, dass das passieren kann, kannte das aus dem Freundeskreis, aber nicht von mir. Ich hatte noch nie Nebenwirkungen von einer Pille gehabt!

Mach dem Abstillen kamen wir also zu der bereits angekündigten recht jungen Velafee. Die, die bis 2015 noch auf keiner Liste stand. Die, die mein Frauenarzt mir als Thromboserisikoarm verschrieb.

So. Jetzt wirds interessant:

Wir kennen alle aus der Schwangerschaft noch diese angeschwollenen Beine. Sandalen passen nicht mehr oder eben nur morgens, es kribbelt ein bisschen. Ich hatte das noch so im Gedächtnis, dass ich mir einfach keine Sorgen gemacht habe, als das wieder losging. Allerdings stärker als in der Schwangerschaft. Meine Beine bekamen eine eigenartige bläuliche Farbe, sie waren nonstop eingeschlafen und meine Jeans spannte – AM KNÖCHEL!!! Ich bin halt einfach echt kein Hypochonder, ich gehe ungern zum Arzt und ich denke immer „wird schon.“. Meine Familie ist ähnlich, mein Freund sowieso. Immer wieder habe ich davon gesprochen: „Meine Beine sind schon wieder eingeschlafen!“, keiner hat sich Gedanken gemacht, ich ja auch nicht. Bei diesen Beschwerden habe ich makabererweise noch einen dummen Witz gemacht. „Mama, wenn ich eine Lungenembolie kriege, dann denk bitte daran, dass ich oft gesagt hab, dass meine Beine kribbeln!“, keine Ahnung, warum ich das gesagt hab, wirklich nicht. Ich wollte es halt klarstellen. Dann hatte ich einen Kontrolltermin beim Frauenarzt. Nur ein Gesprächstermin, wie es so mit der Pille klappt. Alles wunderbar, keine Blutungen, keine Zunahme, keine Pickel. Ich erzählte ihm kurz vor dem Herausgehem so nebenbei von meinen kribbeligen Beinen. Er wollte mich auf der Stelle untersuchen und war richtig sauer, dass ich nicht sofort angerufen habe oder vorbeigekommen bin. „Das ist allerhöchste Eisenbahn! Sie müssen auf der Stelle die Pille absetzen, das sind alles Thromboseanzeichen!“. Ich kann euch gar nicht sagen, was das für ein Schock war. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe die Schnauze voll von der Pille. Wir haben uns für den Persona-Verhütungscomputer entschieden, den wir besorgen werden, sobald mein Zyklus stabil ist und ich die Zeichen meines Körpers ein wenig deuten kann. Zu dieser Art der Verhütung demnächst mehr. Ich habe jetzt, beim zweiten Mal Pille-absetzen gemerkt, wie viel besser es mir geht. Das ist keine Einbildung. Letztes mal konnte ich all diese Veränderungen noch durch die Schwangerschaft erklären, aber diesmal liegt es wirklich nur an der Hormonfreiheit. Ich bin  wacher, fitter, meine Beine sehen tatsächlich wieder normal aus und schlafen nicht mehr ein, ich habe weniger Stimmungsschwankungen und mir geht es einfach besser. Nie wieder tue ich meinem Körper so etwas an.

Warum erzähle ich euch das? Weil ich deutlich machen will, wie wichtig es ist, Warnsignale seines Körpers wahrzunehmen und zu handeln, wenn einem etwas auffällt. Es kann harmlos sein, aber es kann auch eine lebensgefährliche Thrombose sein.

Achtet auf euren Körper, ihr habt nur den einen.

Pille_Thrombose_Erfahrungen_Blogbeitrag

 

Bilder von https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de

Die Listen der thrombosegefährlichen Pillen (2015, einen neueren Pillenreport habe ich nicht gefunden! Bei der DAK Wird der Report zwar aktualisiert, aber er heißt halt trotzdem Report 2015) findet ihr hier.

2 Antworten auf „Pillenfrei seit dem ersten Kind

  1. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Entschluss. Mir ist es schon vor 20 Jahren gelungen, mit Hilfe eines Buches, das alle Nebenwirkungen der Pillen aufzeigte, meiner damals pubertierenden Tocher diesen Mist zu ersparen.
    In diesem Sinne:
    paradise your life! 😉

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