Eine Taufe ist überall auf der Welt ein feierlicher, religiöser Ritus. Der Mensch wird mit einer Zeremonie in die christliche Gemeinde aufgenommen und gesegnet. Es gibt einen Taufspruch, eine Taufkerze und die Paten. Meine Eltern haben mir früher erzählt, meine Paten seien dazu da, mich zu adopieren, wenn ihnen etwas zustoßen sollte. Ich weiß nicht, wie sie darauf kamen, denn Paten sind sehr viel mehr.

Paten sind mitverantwortlich für die religiöse Erziehung, sie sind Zeugen der Taufe und sollen das Kind in seinem Glauben begleiten.

So ist es gedacht, aber wir, und ich bin mir sicher, auch ganz viele von Euch haben da einen etwas anderen Weg gefunden.

Ich glaube an Gott.

 

Vielleicht nicht so, wie es in der Bibel steht, aber ich glaube, dass es etwas gibt, das größer ist, als wir, und uns hilft, wenn wir darum bitten. Ich glaube an Gott, obwohl ich viel zu rational und wissenschaftlich denke um so etwas zu glauben. Ich glaube an Gott, schlicht und einfach weil ich glauben möchte. Ich möchte gerne glauben, dass nach unserem Tod nicht alles vorbei ist und dass es einen Unterschied macht, ob wir gute oder schlechte Menschen in unserem Leben sind. Ich könnte aber genau so gut sagen, ich glaube an Schicksal oder ich glaube an Karma.

Fakt ist aber auch, ich glaube nicht, dass ein Mensch, nur weil er Theologie studiert hat, unser Kind segnen kann und ich glaube auch nicht an „die heilige Christliche Kirche“.

Ich finde, dass das eine gute Gemeinschaft ist, dass da größtenteils gute Menschen gute Dinge vollbringen. Und dass das grundsätzlich eine gute Sache ist. Ich möchte das auch unterstützen und werde deswegen niemals aus der Kirche austreten. Ich freue mich für die Menschen, die das brauchen, dass sie in der Kirche in Gemeinschaft beten und aus der Bibel lesen können.

Obwohl ich dem christlichen Glauben also im weiten Sinne angehöre, wurde ich aufgrund der oben genannten Überzeugungen öfter gefragt

„wieso lässt du denn dann dein Kind überhaupt taufen?!“

 

Ganz einfach, weil ich es ihr nicht verwehren will. Ich möchte gerne, dass sie die Bibel kennenlernt, ich kenne sie schließlich auch und ich finde, dass dies auch zur Allgemeinbildung gehört. Ich möchte auch, dass sie die 10 Gebote achtet, denn diese sind der Grundstein jeder Gesellschaft (Und gibt es ja auch schließlich in jeder Religion so in etwa), und ich möchte letztendlich einfach, dass sie Paten hat. Nicht im ursprünglichen Sinne – die brauchen nicht mit ihr beten. Auch nicht im Sinne von großen Geschenken oder dicken Sparbüchern, wie es so oft gehandhabt wird.

Ich möchte für mein Kind einfach weitere Bezugspersonen.

Sie hat ihre Familie, die wird sie immer haben mit all der natürlichen Liebe, die so eine Familie mit sich bringt. Aber Familie kann man sich eben nicht aussuchen. Die Paten konnten wir uns aussuchen.

Ich habe mich für meine älteste und beste Freundin Lea entschieden.

Lea hat noch gar keinen Bezug zu Kindern und stellt ihre Familienplanung der Karriere hintenan. Ich kenne niemanden, die  herumtobende Kinder weniger  entzückend findet, als Lea.

Warum ist sie Patentante geworden?

 

Zunächst mal, weil ich ihr bedingungslos vertraue und die Liebe eben zwischen uns beiden so groß ist, dass ich wusste, sie würde mein Kind wie ein Familienmitglied lieben, auch wenn sie sonst kein Kind leiden kann.

Der rationale Grund aber ist, dass sie eben genau das verkörpert, was mir alles fehlt. Ehrgeiz, Disziplin, Zielstrebigkeit und die Fähigkeit, Dinge mit dem Verstand und nicht aus dem Gefühl heraus zu entscheiden. Ich wollte für mein Kind eine Patentante, die sie Dinge fragen kann, wenn ich eben nicht der richtige Ansprechpartner bin. Elisas Patentante soll ihr Werte vermitteln, die mir wichtig sind, die ich aber eben nicht vorlebe. Ich kündige schonmal aus einer Laune heraus, studiere halt dann doch noch ein paar Jahre länger und kann mich absolut nicht festlegen, was ich mal machen möchte, wenn ich groß bin. Schon immer. Und deswegen werde ich meinen Kindern auch immer unterschwellig vermitteln, dass man auf sein Bauchgefühl hören muss und für alles immer die Wahl hat.

Außerdem hat Lea in wirklich allen Dingen einen guten Geschmack. Egal ob Kleidung, Wohnung, Geschenke oder Bewerbungsmappen. Sie hat für so etwas einfach ein Händchen. Ich bin jetzt nicht ganz davon entfernt, aber ich weiß von mir selbst, dass man auf seine Mama in solchen Dingen zwischen 6 und 20 Jahren auf keinen Fall hört. Vielleicht ja auf die Patentante!

Ich wünsche mir, dass sie ein Vorbild, Rat und Hilfe in ihrer Patentante findet; dass die beiden lustige Sachen unternehmen, wenn sie zu cool für ihre Mama wird; dass sie so etwas wie eine erwachsene Freundin hat.

Und schließlich eben auch eine Person zusätzlich, die für sie sorgt, sollte uns mal etwas zustoßen. Das kriegt man eben nicht mehr raus, wenn man das als kleines Kind so erzählt bekommen hat… Aber das ist auch in gewisser Weise beruhigend.

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