Weißt du, was ein Fieberkrampf ist? Und weißt du, wie du mit einem Pseudokrupp umgehst?Also ich war, was das anging, ziemlich ahnungslos, bevor ich einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder und Babys gemacht habe. Ich möchte hier mit euch meine Erkenntnisse teilen, sage aber direkt, dass so einen Kurs wenigstens einer der Elternteile unbedingt gemacht haben sollte! Es kann tatsächlich das Leben deines Kindes retten.

Bei uns wurde ein solcher Kurs bei unserer Hebamme in der Praxis von einer Rettungssanitäterin aus der Kindernotaufnahme gehalten. Es ging 5 Stunden lang mit Pause und Getränken und Snacks für zwischendurch und hat 37€ gekostet. Ich glaube ich habe 37€ noch nie sinnvoller investiert.

Krankheiten

Wenn dein Kind weint, reicht es meist aus, es in den Arm zu nehmen. Kinder brauchen Sicherheit, Streicheleinheiten, manchmal auch einfach nur Trost weil der Tag so anstrengend war. Was ist aber, wenn das nun nicht ausreicht und dein Kind ersthaft krank ist?

Krankheitszeichen erkennen

Ein älteres Kind kann sagen, dass es Bauchschmerzen hat, ein Baby schreit einfach. Man muss bei Babys ganz genau hinschauen, um vielleicht erkennen zu können, dass es krank ist. Beobachte es bewusst!

  • Fieber messen!
  • Stuhlgang beobachten (weicher oder fester als sonst? Muss dein Kind öfter brechen?)
  • Hat es Bauchkrämpfe? (Es zieht die Beine an den Bauch, der Bauch ist hart)
  • Isst es anders?
  • Schläft es mehr oder weniger?
  • Hustet es?

Diese Anhaltspunkte sind auch bei einem eventuellen Arztbesuch für den Kinderarzt von Bedeutung. Gehe auf jeden Fall bei Unsicherheit lieber einmal mehr zum Arzt als zu wenig. Kinderärzte sind das gewöhnt und planen auch damit. Es wird dir keiner übel nehmen, wenn du einen Termin möchtest, bei dem hinterher herauskommt, dass deinem Kind nichts fehlt.

Babykrankheiten

Schmerzhafte Blähungen – eine Häufige Plage

Aufgeblähter und harter Bauch, die Beine werden oft angezogen. Kommt oft in den Nachmittagsstunden oder Abends.

Tipp!

Hier helfen Bauchmassagen (Immer im Uhrzeigersinn!), geduldiges herumtragen und Fencheltee. Außerdem gibt es Globilis in der Apotheke. Bei uns hat in ganz schlimmen Phasen ein Windi geholfen.

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Die sollten aber nicht zu oft benutzt werden, um den Schließmuskel nicht zu sehr zu dehnen. Meine Hebamme hat zu höchstens einmal am Tag geraten, ich habe die tatsächlich höchstens einmal die Woche gebraucht, eben nur für den Notfall. Man kann damit sein Baby im wahrsten Sinne des Wortes „entlüften“ und es macht sich sofortige Erleichterung breit (bei Mama und Kind!).

Fieber

Ein weiteres offensichtliches Krankheitsmerkmal

Bei Fieber solltest du grundsätzlich einen Arzt um Rat bitten, es kann harmlos sein, aber auch auf wirklich schlimme Erkrankungen hindeuten. Ich habe hier mal eine grobe Übersicht von häufigen oder eben wirklich erheblichen Ursachen für Fieber erstellt:

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Auf zwei Krankheiten möchte ich genauer eingehen:

Die Hirnhautentzündung

Eine Hirnhautentzündung ist Lebensbedrohlich. Bei Verdacht bitte umgehend ins Krankenhaus fahren!

Symptome:

  • Kopf- und Nackensteifigkeit (Versuche den Kopf vorsichtig mit dem Kinn in Richtung Brust zu neigen. Bei einer Hirnhautentzündung verursacht dies starke Schmerzen! Dies ist, seitdem ich das weiß, mein erster „Test“, wenn ich bei meinem Kind Fieber feststelle!)
  • Vorgewölbte Fontanelle
  • Licht- und Reizempfindlichkeit
  • Roter oder violetter Ausschlag
  • Berührungsempfindlichkeit

und

Die Kehldeckelentzündung (Epiglottitis)

Die Kehldeckelentzündung kann leicht mit dem Pseudokrupp verwechselt werden, da dieses Quietschen bei der Atmung für beide Krankheiten typisch ist. Während beim Pseudokrupp meist schon alles wieder gut ist, bevor man im Krankenhaus angekommen ist (Dazu später mehr!), darf man bei der Kehldeckelenzündung keine Sekunde verlieren. Es besteht ganz akute Lebensgefahr! Der Kehldeckel schwillt an, und verschließt die Atemwege. Das Kind erstickt.

BIch habe hier mal eine Unterscheidungshilfe erstellt:

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Trotzdem ist es letztendlich egal, ob es die Entzündung oder der Pseudokrupp ist: Ab ins Krankenhaus! Nur für Eltern, deren Kinder den Pseudokrupp ständig haben, ist dies vielleicht von Bedeutung. Bleibe unbedingt ruhig, wenn du den Verdacht auf eine Epiglottitis hast. Jede Aufregung verschlimmert die Atemnot des Kindes. Und schaue nicht in den Hals! Öffne die Fenster für frische Luft. Eine andere Position kann dem Kind helfen, besser Luft zu bekommen.

Der Fieberkrampf

Bei schnell ansteigendem Fieber können mache Kinder Krämpfe bekommen. Die Frau bei dem Erste-Hilfe-Kurs hat gesagt, dass der Anblick für Eltern furchtbar sein soll und wenn man diesen Krampfanfall nicht einordnen kann, wohl sehr verstörend sein muss. Deswegen zuerst: Ein Fieberkrampf hält im Normalfall nur ein paar Minuten an und hinterlässt in der Regel keine Schäden. Vermehrt tritt ein solcher Krampf bei Kindern zwischen 6 Monaten und 4 Jahren auf.

Anzeichen:

  • Plötzliches Zucken von Armen und Beinen, oft auch Zucken der Gesichtsmuskulatur
  • Verdrehte Augen, blaue Lippen
  • manchmal kurze Bewusstlosigkeit

Was kannst du tun?

  • Kleidung lockern
  • Gegenstände wegschaffen, an denen sich das Kind beim Krampfen stoßen kann
  • Fieberzäpfchen
  • Nicht festhalten, nicht den Krampfanfall unterdrücken!
  • Wenn der Anfall länger als 10 Minuten dauert oder sich wiederholt: Notarzt rufen
  • Wenn der Anfall vorüber ist, Trösten! Das Kind braucht es nicht, es kann sich nicht erinnern, aber du wirst es brauchen.
  • Suche nach einem Fieberkrampf auf jeden Fall einen Arzt auf!

Soviel zum Fieber. So wenig zur ersten Hilfe. Erste Hilfe ist vor allem bei Verletzungen nötig. Trotzdem war es mir wichtig, die oben aufgeführten Krankheiten einmal darzustellen.

Erste Hilfe am Baby

Welche Situationen können auftreten, bei denen 1. Hilfe von Nöten ist? Man denkt direkt an Wiederbelebung: Beatmung und Herz-Druck-Massage. Ich sage gleich, dies hier zu beschreiben bringt nichts. Es ist für Babys anders, als bei Erwachsenen, deswegen denke jetzt bitte nicht an den Erste-Hilfe-Kurs vor 10 Jahren bei der Fahrschule.

Du kannst dir dies für den Anfang aber wunderbar auf Youtube ansehen. Zum Beispiel hier ist ein gutes, kompaktes Video der AOK. Einen Erste-Hilfe-Kurs ersetzt das natürlich nicht, aber im Zweifelsfall kann auch das Leben retten! Ich schaue mir das Hin und Wieder auch noch einmal an, um nicht zu vergessen. Wenn du dir das einmal angeschaut hast, hilft dir vielleicht dieser Infoblock zur Wiederbelebung für Babys:

  • Bei Atemstillstand: Kein Puls erfühlen 1. liegt das Problem zu 99% bei der Atmung, 2. ist es sehr schwer, einen Puls unter dem Babyspeck zu erfühlen und kostet Zeit. Beginne sofort bei Atemstillstand mit den Maßnahmen.
  • 2 Finger Massage
  • Druckpunkt: Mitte Brustkorb, 2 Finger breit unterhalb der Brustwarze
  • 30 x Herzmassage, 2 x kurz, bis der Brustkorb sich leicht wölbt, in Mund und Nase beatmen
  • GANZ WICHTIG! Beim Baby nicht, wie gewohnt zur Beatmung überstrecken. Das knickt die Atemwege ab. Babys werden in gerader Kopfhaltung beatmet.

Ein Weiterer Punkt, der beherrscht werden sollte ist das Verhalten im Fall des Verschluckens. Auch hier ist es nicht sinnvoll, aufzuschreiben, was gemacht werden muss, man muss es sehen, ausprobieren und letztlich üben. Ich habe hier ein weiteres Video bei Youtube, welches ich sehr empfehle.

Hier aber dennoch eine kleine Stütze:

  • Im Mund nach einem Gegenstand schauen
  • Kind über das Bein mit dem Kopf als tiefsten Punkt legen
  • 5 mal ziemlich fest auf den Rücken, zwischen die Schulterblätter klopfen

Verletzungen

Ich werde hier nicht auf Wunden, Verstauchungen oder Brüche eingehen. Das sind Dinge, die bei Kindern und Erwachsenen gleich sind. Ich denke, man hat im Gefühl, wann ein Pflaster reicht und wann man zum Arzt gehen muss. Grundsätzlich habe ich nur den Hinweis bekommen, wenn das Kind schreit, und zur Mama läuft ist meistens alles in Ordnung. Wenn es liegen bleibt, eben nicht. Und als Faustregel: Wenn das Kind von einer Höhe, auf die es nicht selbst klettern konnte, herunterfällt, sollte man immer ins Krankenhaus fahren. Wenn es selbst heraufgeklettert ist, und keine Verletzungen aufweist, kann man nach eigenem Ermessen handeln. Aber dies ist natürlich nur eine grobe Richtlinie.

Kopfverletzungen

Viel wichtiger ist es, bei Kopfverletzungen genauer hinzuschauen. Kleine Kinder können an Gehirnerschütterungen tatsächlich sterben und das, obwohl es Ihnen danach wieder erstmal gut geht.

Eine Gehirnerschütterung geht immer mit Erbrechen einher. Wenn dein Kind sich also den Kopf stößt, danach weiter spielt und sich abends erbricht, fahre unbedingt ins Krankenhaus! Sage auch der Tagesmutter, dass du unbedingt wissen willst, wenn dein Kind sich den Kopf bei ihr gestoßen hat, damit du dann genauer darauf achten kannst. Auch Schläfrigkeit oder Benommenheit kann später noch auftreten und ist ein absolutes Warnsignal nach einer Kopfverletzung.

Hinweise auf eine Gehirnerschütterung

  • Erbrechen
  • Benommenheit
  • Schläfrigkeit

Verbrennungen

  • Die verletzte Stelle für 15-20 Minuten Kühlen (Nicht an Rumpf und nicht, wenn die Stelle zu groß ist; Wasser sollte mindestens 20° haben – Unterkühlungsgefahr!)
  • Ruhig bleiben!
  • Bei Verbrennungen eingebrannte Kleidung unbedingt anlassen
  • Bei Verbrühungen Kleidung ausziehen

Wann ins Krankenhaus?

  • Als Faustregel gilt hier: Sobald 5% der Hautfläche betroffen sind. Eine Handfläche = 1%
  • Wenn Gesicht, Hände, Füße oder Genitalien betroffen sind
  • Wenn Rauch eingeatmet wurde

Bei kleineren Verbrennungen, die du selbst versorgen kannst empfiehlt es sich, Pflaster mit Aluminiumanteil zu Hause zu haben, die verkleben nich mit der Wunde.

Auch Sonnenbrand ist eine Verbrennung!

Tipp!

Für kleinere Verbrennungen oder leichten Sonnenbrand hilft Kieselerdegel! Es kühlt, pflegt und unterstützt die Heilung. Ich nutze es auch für Insektenstiche.

Vergiftung

Bei Verdacht auf eine Vergiftung auf jeden Fall den Rettungsdienst anrufen. Bis dieser kommt, kann die Giftnotrufzentrale zusätzlich angerufen werden. Diese Telefonnummer sollte in jedem Handy einer Mutter gespeichert sein.

  • Wenn möglich Verpackung oder gegebenenfalls Erbrochenes für den Arzt bereitstellen
  • Nicht extra erbrechen lassen, da dies eine zusätzliche Verätzung für die Speiseröhre darstellt.

Ertrinken und spätes Ertrinken

Kinder dürfen NIEMALS alleine in der Badewanne sitzen. Auch wenn sie schon gut sitzen können, gerade am Spielen sind und das Telefon klingelt. Ein Badeunfall ist schnell passiert. Was man nach einem Badeunfall macht, ist wohl allen klar. Ist das Kind bei Bewusstsein, wärmen und trösten. Ist das Kind nicht bei Bewusstsein, atmet es nicht, Herzdruckmassage und Beatmen. Aber viele unterschätzen die Gefahr des späten, zweiten oder leisen Ertrinkens. Drei Ausdrücke, die alle dasselbe beschreiben:

Ein Kind hatte einen Badeunfall, hat unter Wasser eine vielleicht auch nur sehr kleine Menge Wasser eingeatmet, Hustet, alles ist wieder gut. „Das ist ja noch mal gutgegangen!“

Einen Tag später ist das Kind tot.

Was ist passiert? Das Wasser wurde von den Lungenblässchen aufgesogen und verhindert die Sauerstoffabgabe ans Blut. Das Gehirn schwillt an, weil es keinen Sauerstoff bekommt, das Herz bleibt stehen. Stunden nach dem Unfall, das Kind hat vielleicht noch ganz normal zu Abend gegessen, hatte kein auffälliges Verhalten. Das kommt leider öfter vor, als man denkt. Deswegen darf das Kind eben nicht alleine in der Badewanne gelassen werden, denn man würde es eventuell nicht mitbekommen, wenn es kurz ausgerutscht ist und Wasser eingeatmet hat. Bei einem Verdacht und nach überhaupt jedem Badeunfall sollte man immer ins Krankenhaus fahren! Dort kann der Sauerstoffgehalt im Blut überwacht werden und das späte Ertrinken verhindert werden.

Gefahrenquellen, die ich so nicht auf dem Schirm hatte

Die Frau vom Erste-Hilfe-Kurs arbeitet ja, wie schon gesagt, in der Notaufnahme einer Kinderklinik. Sie hat uns von ein paar Unfällen erzählt, die erschreckend oft vorkommen:

  • Kinder, die gerade beginnen zu laufen, stürzen in Deko-Glaslaternen oder in den Glasversatz von älteren Zimmertüren. Bei den Türen hilft eine Klebefolie wie die zum Einbinden von Büchern, um die Gefahr zu minimieren, die genannten Laternen sollten nicht auf dem Boden stehen
  • Kinder lutschen gerne an aufgepusteten Luftballons. Wenn dieser platzt, erschrecken sie sich und atmen das Gummi ein. Es droht Erstickungsgefahr, denn dieses Gummistück bekommt man nicht einfach wieder heraus. Übrigens: Per Gesetz aus genau diesem Grund in Kindergärten verboten!
  • Erdnüsse in der Luftröhre. Oft sogar unbemerkt. Die Nüsse wandern aber in die Lunge und das Salz verursacht dort Verletzungen.
  • Kinder ziehen sich den Topf mit heißem Wasser herunter. Lebensgefahr! Und wohl noch immer erschreckend häufig. Ein Herdschutzgitter kann Leben retten!

Das sind die interessantesten, erschreckendsten oder in meinen Augen wichtigsten Erkenntnisse, die ich aus dem Erste-Hilfe-am-Kind Kurs mitgenommen habe. Ich bin gerade froh, die Unterlagen noch einmal durchgearbeitet zu haben, denn man vergisst wirklich sehr schnell. Im Bezug auf Krankheiten bin ich nun auch etwas sicherer. Wenn Elisa einen Fieberkrampf bekommen sollte, dann bin ich wahrscheinlich trotzdem überfordert und schockiert – aber ich weiß zumindest, was es ist.

2 Antworten auf „Erste Hilfe am Kind – warum ein Kurs wirklich sinnvoll ist

    1. Also ich verstehe den Kommentar nicht so richtig. In meinem Beitrag geht es darum, dass Eltern einen Erste-Hilfe-am-Kind Kurs machen sollten. Und wortwörtlich sogar, dass man nie zu oft zum Arzt gehen kann. 🤔

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