Vor kurzem wollte ich noch zurück in mein altes Studentenleben. Einfach alles hat mich an meinem Leben, an meinem schleichenden Erwachsenwerden genervt. Wenn man langsam merkt, dass man nicht mehr die 21 jährige lustige Partymaus ist, die bis sechs Uhr im Club bleibt und jederzeit Spaß am Leben hat, kann das ganz schön hart sein. Ich habe das gegoogelt. Es nennt sich quarterlifecrisis. Ja richtig, es ist im Prinzip die Angst vorm Altern – und das mit  damals 26!

Eigentlich kann ich mich über den Verlauf meines Lebens nicht beschweren. Nachdem ich nach der Schule direkt in die Großstadt gezogen bin und mich mit diversen Studiengängen ausprobiert hatte, zog mich die Liebe zurück in die ländliche Heimat und ich fand sofort eine Ausbildung im Bankwesen. Soweit so gut – für 2 Jahre war ich zufrieden und glücklich mit meinem Freund, unserer wunderschönen gemeinsamen Wohnung und meinem Job. Dann begann die Angst vorm alt werden.

Wird mein Leben jetzt für die nächsten 50 Jahre genau so aussehen wie in diesem Moment?

Alltagsstress, Unzufriedenheit im Job, Geldprobleme und  in einer Beziehung, die so nebenher läuft?
Meine Schwester und Freundinnen rieten mir, das auszusitzen. „In jeder Beziehung kommt es irgendwann so weit, dass das Herzklopfen halt weniger wird.“
Ja gut, das Herzklopfen! Aber jegliche Körperlichkeit? Bleiben Küsse und Leidenschaft in jeder langjährigen Beziehung irgendwann auf der Strecke? Mein Freund und ich haben oft Streit deswegen gehabt und ich komme mir fast vor wie eine feministische Nymphomanin, wenn ich über so etwas beschwere, was das ganze nicht angenehmer macht. Aber es ist doch so, dass du dich nicht mehr begehrt und schön fühlst, wenn es auf einmal nicht mehr „knistert“. Es ist einfach die Art, wie du dich wahrgenommen fühlst.  Wildes übereinander herfallen und verliebte Blicke weichen dem „Vorm-Fernseher-Einschlafen“ und wundervolle Unternehmungen machen Platz für „Eigentlich müssen wir die Wäsche machen und die Wohnung putzen“.
Ich liebe meinen Freund – über alles. Es gibt keinen Menschen, den ich so sehr liebe wie ihn. Aber ich glaube das alleine reicht nicht, um glücklich zu sein. Man muss an sich arbeiten und sich  füreinander Zeit nehmen. Aber natürlich ist das alles leichter gesagt als getan.

Und dann ist plötzlich alles anders.

Wir waren gemeinsam mit zwei anderen Pärchen ein Wochenende in Hamburg. Da habe ich gemerkt, dass auch die Pärchen, die immer so glücklich wirken, die man beneidet weil sie so süß miteinander tanzen oder so verliebt Händchen halten, die Pärchen, die immer ein Grund für einen kleinen Streit sein können, weil sie einen daran erinnern, dass man selbst dies und jenes nicht mehr macht oder noch nie gemacht hat, dass diese Pärchen auch ihre Probleme haben und nicht ein ganzes Wochenende so süß und verliebt sind, wie mal an einem Abend. Die Mädels zicken genauso herum wie ich und die Männer sind genauso gedankenlos wie meiner. Es war ein schönes Wochenende, wir haben viel gesehen, gefeiert und alles war gut. Die Quittung dafür bekam ich am 28. Dezember 2015.

Ein positiver Schwangerschaftstest

Tatsächlich fuhr ich zunächst zu meiner besten Freundin und ich muss furchtbar ausgesehen haben, denn das Erste was sie sagte, als sie die Tür öffnete war „Was ist passiert?“.  Ich legte ihr den Test auf den Tisch und fragte „Sind da 2 Striche drauf?“.
3 Tage und 19 Schwangerschaftstests mit immer deutlicheren Strichen später drängte sie mich, es meinem Freund nun endlich zu sagen. Ich wollte nicht. Ich wusste nicht, was ich machen sollte und bevor ich für mich eine Entscheidung getroffen hatte, wollte ich ihm nichts sagen. Natürlich hatte er gemerkt, dass etwas mit mir nicht stimmte und fragte mehrmals, was los sei. Ich wollte ihm die Silvesterparty nicht versauen und wartete bis zum Neujahrsmorgen, um ihm die Nachricht zu übermitteln. Die Reaktion war für mich überraschend. Er weinte. Ich schätze auch teils aus Überforderung, aber vor allem aus Freude. Natürlich war er auch besorgt, ob wir das alles schaffen würden. Auf jeden Fall kam die Frage, ob wir es behalten, nie wieder auf.

Ich komme nicht umhin, mich zu fragen, ob ich ein schlechter Mensch bin. Ein Baby sollte mich glücklich machen und nicht verunsichern. Wie kann ich in einer solchen Situation zwischendurch darüber wirklich traurig sein, dass meine Figur versaut sein wird? Wie kann ich auch nur darüber nachdenken, dass nun quasi mein Schicksal besiegelt ist und ich nicht mehr zurück in mein altes Leben kann? Ich freue mich ja die meiste Zeit, aber oft denke ich auch, dass ich noch nicht erwachsen sein möchte. Nicht nach all den Gedanken, die in letzter Zeit so aufgekommen waren. Ich wollte eigentlich einen Fashionblog starten. Ich liebe Mode und Kosmetik und Mädelsabende mit Wein, teure Handtaschen  und Schmuck. Ist das nun vorbei? Werde ich fett und genügsam? Wie es auch immer weitergeht – es wird eine spannende Zeit, an der ich euch in diesem Blog teilhaben lassen möchte. Ich hoffe, ich bin nicht der einzige Mensch, der sich solche Gedanken angesichts einer Schwangerschaft macht.

2 Antworten auf „Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt

  1. Sehr toller Beitrag, sehr inspirierend. Von dieser quarterlifecrisis höre ich zum ersten mal und bin dir dankbar dafür, denn vielleicht beschreibt das ein Gefühl, welches ich hin und wieder in letzter Zeit mal habe haha
    Ich wünsche euch für die Zukunft das beste und bestimmt sind die Weinabende nicht vorbei 😉

    Gefällt mir

  2. Ooh dankesehr! 😊 Das Gefühl konnten überraschend viele nachempfinden, was sehr tröstlich und sehr ernüchternd ist. Es ist nicht so leicht, erwachsen zu werden, und es passiert eben nicht mit 18 sondern mit dem Sprung in den Nächsten Abschnitt. Ich wünsche dir auch alles Gute 😊

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s